Das Ich schafft die Brücke zwischen Gemeinschaft und Individuum

29 Jun

Die gängige Betrachtungsweise sieht im Eigenständigwerden des einzelnen Individuums einen Gegensatz zum gemeinschaftlichen sozialen Leben. Die sich in der Geschichte bekämpfenden Ideologien des Kapitalismus und des Kommunismus kamen beide nicht zu einem wirklichen Erfassen des wirklichen Ich des Menschen und mussten daher einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft aufbauen. Während der Kapitalismus das Heil im ausleben des Egoismus auf materieller Ebene postulierte, forderte der Kommunismus das sich zurücknehmen, den Verzicht auf Privatbesitz und das Aufgehen des Einzelnen in den Interessen des Gemeinwesens.

Im Entwickeln einer wirklichen Individualität aber sind wir fähig diese beiden, scheinbar sich widersprechenden Welten des Eigenständig seins und der Verwirklichung des eigenen Wollens mit dem Leben für Andere und dem Dienst an der Gemeinschaft in einer Synthese zu verbinden.

Wie können wir uns das konkret vorstellen? Wie wir bereits gesehen haben, zeigt sich eine starke Individualität vor allem in der Fähigkeit, aus der eigenen Subjektivität frei zu werden und eine innere Stärke und Haltung zu entwickeln bei der wir nicht mehr aus unsere Trieben und Instinkten heraus denken und handeln, sondern uns einem anderen Menschen oder einem Sachverhalt objektiv gegenüberstellen können. Indem wir auf uns selbst als auch auf unsere Umgebung blicken können, ohne sofort von unseren Sympathien und Antipathien geleitet zu sein, wird es uns möglich, unsere Ideen und Handlungen aus höheren Idealen heraus gestalten zu lernen und so langsam einen Synthese des eigenen Wollens mit den Bedürfnissen und Notwendigkeiten unserer Umgebung zu schaffen.

So kann zum Beispiel die Gründung eines Unternehmens, die im klassisch-kapitalistischen Sinne immer primär mit Gewinnerzielungsabsicht und dem Kampf um Marktanteile einhergeht, und eventuell sogar durch Werbung und Manipulation künstliche Bedürfnisse schaffen will, von einem Ideal ausgehen, das die ganzheitliche Entwicklung des Menschen mit einschließt. Ein Unternehmensgründer, der eine Stärke im Ich entwickelt hat, wird immer den Dialog mit Kunden, Zulieferern, Rohstofflieferanten und Ingenieuren suchen, um für alle eine bestmögliche Förderleistung zu erzielen.

Ibrahim Abouleish, der Begründer der Sekem Farmen in Ägypten könnte hier als Beispiel genannt werden. Während eines Ägypten-Besuchs 1977 bedrückten ihn die Probleme des Landes und er kehrte noch im selben Jahr in seine Heimat zurück und gründete die Entwicklungsintiative SEKEM auf 70 Hektar Wüste nordöstlich von Kairo. Er erhielt den „Right Livelihood Award“ für die Entwicklung eines Geschäftsmodells des 21. Jahrhunderts, in dem wirtschaftlicher Erfolg in die soziale und kulturelle Entwicklung der Gesellschaft integriert ist und diese durch die „Wirtschaft der Liebe“ fördert.

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One Response to “Das Ich schafft die Brücke zwischen Gemeinschaft und Individuum”

  1. Martin Bartonitz 3. Juli 2012 at 21:17 #

    Lieber Bernhard,
    wieder ein so schöner Artikel zur Förderung der Gemeinschaft! Silke hatte das Thema dea wichtigen Ich´s ach sehr schon aufgegriffen:
    Warum eigentlich ist eine gestärkte Ich-Bezogenheit so schlimm?
    LG Martin

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